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„Ankommen und dann“ – wieder eine beeindruckende Zeit von und mit mutigen Menschen

IMG 2548 web 1Am 19.10. war zum zweiten Mal das DialogTheater e.V. Stuttgart im Gemeindesaal in Ditzingen zu Gast. Nachdem bei der ersten Aufführung im März der Schwerpunkt Flüchten & Ankommen im Mittelpunkt stand, widmeten sich Geflüchtete aus unserer Region nun der Frage: „Und dann….?“ Wieder standen Menschen aus unterschiedlichen Krisenregionen der Welt auf der Bühne und gewährten einen Einblick in ihr Leben. Was kommt nach der Flucht? Der Alltag ist geprägt von Wohnungssuche, Sprachkurs, Jobsuche und dem Versuch, Kontakte zu knüpfen und ein Teil der Gemeinschaft zu werden. Nicht immer gelingt das, wie die Geschichte eines jungen Mannes, der es nicht geschafft hat und aus dem Leben geschieden ist, verdeutlicht.
Nach der Aufführung nutzten viele der 120 Besucher die Gelegenheit, mit dem Regisseur, den Schauspielern und mit den Geflüchteten ins Gespräch zu kommen.
Es war bewegend und allen wurde erneut bewusst, wie wichtig Frieden und Freiheit für unser Zusammenleben sind. Unsere Grundrechte leben und Menschlichkeit praktizieren – das ist unser aller Aufgabe.

Die Mitglieder des Ditzinger Arbeitskreises Asyl bedanken sich sehr herzlich bei der Theatergruppe um Herrn Müller, dem Regisseur des DialogTheater e.V., für die Grußworte von Herrn Oberbürgermeister Makurath und Herrn Pfarrer Plieninger, der evangelischen Gemeinde, die den Gemeindesaal für die Aufführung zur Verfügung gestellt hat und bei allen Helferinnen und Helfern. Wir hoffen, dass die vielen Gäste etwas für sich in den Alltag mitnehmen können.

Ingrid Hermens, Arbeitskreis Asyl Ditzingen

AK Asyl Ditzingen Mitgliederversammlung 2018

Bild Mitgliederversammlung 2018Am 10.4.2018 trafen sich Ehrenamtliche des AK Asyl Ditzingen im evangelischen Gemeindehaus zur jährlichen Mitgliederversammlung. Im Mittelpunkt standen ein Rückblick auf die vielen Aktivitäten des vergangenen Jahres und ein Ausblick auf die geplanten Aktivitäten, sowie der Rechenschaftsbericht.

Die Versammlung bestätigte die neu berufenen Ansprechpartner einiger Gruppen: Gisela Hänzka – Welcome Cafe, Monika Zini – Alltagsbegleitung, Herbert Kühn – Lernbegleitung, Traugott Plieninger – Soziale Teilhabe. Zur Vorsitzenden wurde Ingrid Hermens gewählt, zum Stellvertreter Herbert Kühn. Zum Abschluss blieb noch ausreichend Zeit zum Austausch über unsere Erfahrungen und Eindrücke aus dem Engagement.

Wir bedanken uns auch auf diesem Wege bei allen aktiven und ausgeschiedenen Ehrenamtlichen für ihren unermüdlichen Einsatz.
Wenn Sie Interesse und Lust haben, sich gemeinsam mit Ehrenamtlichen und Geflüchteten für deren Belange zu engagieren, würden wir uns freuen. Näheres erfahren Sie auf unserer Homepage www.ak-asyl-ditzingen.de. Zu Terminvereinbarungen für persönliche Gesprächen melden Sie sich bitte per Email unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. IH

„Flüchten und ankommen“ – eine bedrückend beeindruckende Stunde von und mit mutigen Menschen


Bild TheaterveranstaltungAm 16.3. zeigten in der Region Stuttgart lebende Geflüchtete unter Anleitung und Mitwirkung von DialogTheater e.V. Szenen aus ihrem Leben in der Heimat, auf der Flucht und in Deutschland. Menschen aus allen Krisenregionen standen auf der Bühne – Palästina, Syrien, Afghanistan, … Nicht Sprache und Kultur, sondern das gleiche Schicksal führte sie zusammen.


„Tanzen wir – das lässt vergessen!“ So beginnt die Aufführung. Aber Repressalien und Übergriffe durch Polizei und Militär lassen sich nicht verdrängen. Unrecht, Verhaftungen, Gefängnis, Folter – das ist kein Leben mehr. Da ist keine Zukunft. Flüchten braucht viel Mut, doch die Kinder sollen eine Zukunft haben. Deutschland soll sehr schön sein. Dort ist es sicher! Dort kann man gut leben! Aber der Weg ist gezeichnet von Gefahren und Entbehrungen und von Schleppern, die Geld erpressen für eine lebensgefährliche Fahrt über das Mittelmeer. Hilf-loses Warten in türkischen oder griechischen Flüchtlingscamps, hoffen auf Politiker, die nicht nur von Menschenrechten reden.
Angekommen – Deutschland ist schön, so schön. Freiheit, leben ohne Angst! Alle Menschen sind hier gleich! Aber warum werden wir so misstrauisch gemustert, finden keine Wohnung, keine Arbeit? Warum werden wir so oft von der Polizei kontrolliert? Ist „orientalisches Aussehen“ ein Makel? Dennoch zeigen die Geflüchteten, dass sie in der deutschen Gesellschaft ankommen wollen, dass sie verantwortungsbewusste Mitglieder dieser Gesellschaft werden möchten. „Tanzen wir – das lässt vergessen!“
Nein, diese Laienschauspieler/innen wollen nicht vergessen, sondern zeigen, welche Leiden sie geprägt haben. Dazu gehört Mut. Aber die schlimmsten Erfahrungen verschweigen sie auf der Bühne. Nur im privaten Gespräch nach der Aufführung ist z.B. zu erfahren, wie ein Elternpaar mit seinen Kindern im volllaufenden Flüchtlingsboot beschließt, gemeinsam zu ertrinken, wenn es schon keine gemeinsame Zukunft gibt. Kurz bevor sie eine weitere kleine Meldung deutscher Medien über Ertrunkene im Mittelmeer wurden, zeigte sich Rettung am Horizont.
Alle im Saal sind tief beeindruckt. Die Ältesten erinnern sich an Erlebnisse ihrer Kindheit, als in Deutschland Menschenrechte durch Diktatur und Terror niedergetreten wurden. Und auch den Jüngeren wird deutlich bewusst, dass Frieden, Freiheit und Rechtsstaat nicht selbstverständlich sind.


Die Mitglieder des Ditzinger Arbeitskreises Asyl bedanken sich ausdrücklich bei der Theatergruppe, bei Herrn Müller von DialogTheater e.V., bei Herrn Dekan Zimmermann, der den evangelischen Gemeindesaal für die Aufführung zu Verfügung gestellt hatte, und bei allen Besucherinnen und Besuchern für ihr Kommen und die mitfühlende Unterstützung.

Herbert Kühn, Arbeitskreis Asyl Ditzingen

Begegnungsfest des AK Asyl Ditzingen mit unseren geflüchteten Neubürgern

Begegnungsfest Bild1Am 28. Oktober 2017 veranstaltete der AK Asyl Ditzingen im Evangelischen Gemeindehaus von Ditzingen ein Be-gegnungsfest mit etwa 120 geflüchteten Neubürgern und ehrenamtlichen Helfern. Menschen von sehr unterschiedlicher Herkunft und Prägung feierten gemeinsam ein fröhliches und friedliches Fest.
Dabei war der Arbeitskreis von dem Gedanken geleitet, dass ein Stück Heimat und Geborgenheit entsteht, wo Menschen zu einem gemeinsamen Essen zusammen kommen. Er griff damit eine Tradition der Heimatländer und Gesellschaften unserer Geflüchteten auf, in denen gemeinsames Essen ein zentrales und verbindendes Element darstellt, das Freundschaft stiftet und das gegenseitige Vertrauen stärkt.

Begegnungsfest Bild2Unsere Geflüchteten zauberten ein großartiges Buffet herbei mit vielen orientalischen Spezialitäten und kulinarischen Köstlichkeiten aus ihren Heimatländern. Es zeigte sich, wie ein großzügiges Bewirten von Freunden nicht nur Gaumenfreuden wecken, sondern auch die Herzen der Menschen öffnen kann.
Die zahlreichen Kinder konnten sich unter fachkundiger An-leitung schminken lassen, Bilder malen, sich bei Spielen aller Art vergnügen oder im separaten Vorleseraum spannenden Geschichten lauschen.
Das Fest sollte auch ein kleines Zeichen setzten gegen den wachsenden Nationalismus überall in der Welt, der vor allem Ängste vor fremden Menschen und Kulturen verbreiten will. Dieses Fest war ein Beleg dafür, wie das gegenseitige Ken-nenlernen anderer Menschen und Kulturen den eigenen Horizont erweitern, unsere Gesellschaft liebenswerter machen und unser Leben bereichern kann.
Dass die Integration unserer Geflüchteten gelingen kann und es sich bei ihnen um liebenswerte und sympathische Neubürger handelt, zeigten ihre zahlreichen und berührenden Dankesworte in deutscher Sprache für die erfahrene Hilfe und Unterstützung durch die Helfer des Arbeitskreises.

Begegnungsfest Bild3In einer Zeit, in der jeden Monat etwa 35 neue Flüchtlinge nach Ditzingen kommen, sind intensive Anstrengungen um eine gelingende Integration nötig. Dies stellt die Stadt und ihre hauptamtlichen Sozialarbeiter vor große Herausforderungen. Aber auch nicht weniger die ehrenamtlichen Helfer des Arbeitskreises, die sich seit 2015 engagieren, um den Neubürgern unserer Stadt ein freundliches Gesicht von Deutschland zu vermitteln. Die Bewältigung dieser Herausforderung kann nur gelingen, wenn sie von allen gesellschaftlichen Kräften unserer Stadt als eine gemeinsame Aufgabe erkannt wird. Deshalb freut sich der Arbeitskreis besonders, dass neulich alle Fraktionen des Gemeinderats die Initiative zur Erweiterung des Familienpasses für Geflüchteten in einem einstimmigen Votum unterstützt haben.
Herr OB Makurath beehrte unser Fest mit seinen Besuch und überbrachte in einem Grußwort den Dank und die Anerkennung der Stadt für die vom Arbeitskreis geleistete Hilfe. Angesichts der derzeit großen Zahl von Zuweisungen neuer Geflüchteter bemühe sich die Stadt nach Kräften, die Menschen gut unterzubringen. Er bat aber auch um Verständnis, dass nicht immer optimale Lösungen zur Verfügung gestellt werden könnten.
Ein großer Dank gebührt Herrn Dekan Zimmermann und der Evangelischen Kirchengemeinde Ditzingens, die dem Arbeitskreis für dieses Fest ihr Gemeindehaus zur Verfügung gestellt haben. Ein Dank gilt auch den fleißigen Schülerinnen und Schülern, die uns bei der Kinderbetreuung und Bewirtung geholfen haben. Ein herzliches Dankeschön richten möchten wir auch an Herrn Matkovic vom Edeka-Center für seine großzügige Spende an Getränken und Süßigkeiten und der Gärtnerei Räuchle für den üppigen Blumenschmuck.

 

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Welcome Café im Mai mit vielen herzlichen Begegnungen und nützlichen Gesprächen

Am ersten Freitagnachmittag im Mai hatte der Arbeitskreis Asyl Ditzingen zu seinem Welcome Café im Treffpunkt Adler geladen. Gekommen waren wieder viele Flüchtlingsfamilien zum Austausch bei Kaffee und Kuchen, Saft und Laugenbrezeln. Hier konnten Alltagssorgen und Trauer um die verlorene Heimat für ein paar Stunden ein wenig in den Hintergrund rücken. Kinder konnten sich an einem Spieltisch vergnügen. Dabei war auch eine neu in Ditzingen angekommene Flüchtlingsfamilie, die von unseren ehrenamtlichen Helfern herzlich begrüßt und erste wichtige Informationen und Unterstützungsangebote zum Alltagsleben erhielten.

Inzwischen bringen sich immer mehr der geflüchteten Neubürger selbst aktiv in die Flüchtlingshilfe ein. So beschenkte eine Frau aus dem Irak das Welcome Café mit selbstgebackenem leckerem Kuchen und köstlichem Gebäck (siehe Foto).

Ein junger Syrer, der bereits sehr gute Deutschkenntnisse erworben hat und hier in Kürze sein Studium der Betriebswirtschaft fortsetzen möchte, verabredete sich im Welcome Café mit einem Lehrer der Theodor-Heuglin-Schule, um über ein Unterstützungsprojekt von Schülern mit Migrationshintergrund zu beraten. Hintergrund ist ein immer prekärer werdender Lehrermangel in den eigens für Flüchtlingskinder eingerichteten Vorbereitungsklassen, die sie auf den Wechsel in den Regelunterricht vorbereiten soll. Aber fehlende Lehrer und dadurch immer größer werdende Klassen erzwingen diese Wechsel oft viel zu früh und können bei den betroffenen Flüchtlingskindern aufgrund noch unzureichender Sprachkenntnisse zu Überforderung und Frustration führen.

Ein herzlicher Dank gilt erneut der Bäckerei Diefenbach, die uns wieder großzügig Brezeln gespendet hat.

In unserer so reichen deutschen Gesellschaft aber führt ein nachlassendes Mitgefühl zu schwindender Hilfsbereitschaft. Wir scheinen vergessen zu haben, dass Menschen in der gesamten Menschheitsgeschichte gewandert sind, um anderswo einer Not zu entkommen und ihr Überleben zu sichern. Schon die Bibel erzählt sehr viele Flucht- und Asylgeschichten, die nicht nur Christen berühren dürften. Speziell uns Europäern müsste dieses Elend nahegehen. Denn unsere koloniale und imperialistische Vergangenheit mit rassistischen Verfolgungen, Holocaust oder zwei von Deutschland ausgegangenen Weltkriegen haben Millionen von Mitbürgern in ferne Länder vetrieben. Außerdem werden wohl viele von uns ihr Leben dem Umstand verdanken, dass ihre Vorfahren irgendwann in einer neuen Heimat Aufnahme gefunden haben. - wogae