
Arbeitskreis Asyl Ditzingen e.V.


Ministerium für Soziales und Integration
des Landes Baden-Württemberg
Am 31.01.2026 bekam der Bürgersaal des Rathauses Ditzingen ein neues Gesicht – er wurde zum Theatersaal.
Die Vorsitzende des AK Asyl Ditzingen Ingrid Hermens sowie die Vorsitzende des Kultur-und Kunstkreises Katrin Groshaupt begrüßten das Publikum im vollbesetzten Saal.
Unter den Gästen war auch der OB Michael Makurath.
Das Vorwort des aus Syrien stammenden Hamman Aleissa führte zum Thema des Abends. Herr Aleissa verdeutlichte, wie er seinen Traum verwirklichen konnte. Durch seinen Mut und seine Willenskraft habe er die Mittlere Reife und die doppelte Staatsbürgerschaft erreicht. Deutschland habe ihm Werte vermittelt und Menschlichkeit gezeigt und er betrachte dieses Land als seine zweite Heimat.
„Wir haben einen Traum“. Dieser emotionale Satz führte den Zuschauer durch die 90-minütige Performance des Dialogtheaters e.V. aus Stuttgart. Die bewegende Darbietung ist ein Teil des Projektes „0711 Spielraum interkulturell“ und wird von „Stuttgart Mittendrin“ gefördert. Frauen und Männer aus dem Iran, der Ukraine, Afghanistan, Syrien, der Türkei und Deutschland erzählen Geschichten von Hoffnung, Verlust und Neubeginn.
In vier verschiedenen Szenen zeigen die Schauspieler, wie Menschen um ihre Träume kämpfen:
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Der Kampf um die Träume hält in allen Szenen an, aber die Angst zu scheitern wird immer stärker. Erst als allen klar wird, dass sie gemeinsam stark sein können, dass niemand aufzugeben braucht, da fällt die Angst. Es ist der gemeinsame Traum, der verbindet und der Mut macht, den eigenen Weg zu gehen.
Die Verzweiflung und auch die Hoffnung werden durch die tänzerischen Darbietungen effektvoll unterstrichen. So ist der Aufruf „Lasst uns tanzen“ das Signal für alle, die Angst zu überwinden und dem Traum zu folgen.
„Wir haben einen Traum“ ist ein bewegendes Stück, über das, was uns alle eint: die Sehnsucht nach einem Leben in Freiheit, Würde und Liebe.
Es ist bewundernswert, wie die Schauspieler sich in ihre Rollen hineinversetzten und wie sie die Dialoge beherrschten.
Nach viel Applaus und vielen „Vorhängen“ gab es Rosen für alle Teilnehmer. Herr Müller, der Regisseur, bedankte sich beim Publikum, bei seinen Schauspielern und der Stadt Ditzingen.
Frau Hermens sprach zum Abschluss für den berührenden Auftritt der Theatergruppe ihren Dank aus.
Wir freuen uns auf die nächste Theateraufführung.
AK Asyl
Christina Rittmann
Es war ein besonderer Nachmittag am Samstag, 8.11.2025. Der Arbeitskreis Asyl in Ditzingen konnte sein 10jähriges Bestehen feiern.
Im Gemeindesaal der katholischen Kirche St. Maria fanden sich viele Gäste ein, die Spezialitäten aus ihren Heimatländern auftischten. Es gab süße und salzige Leckereien aus Syrien, Afghanistan, Vietnam, Gambia… die mit viel Liebe zubereitet waren. Dazu konnten sich die Gäste mit Kaffee, Tee und Kaltgetränken versorgen.
Die 1. Vorsitzende Ingrid Hermens und der 2. Vorsitzende Herbert Kühn begrüßten die Gäste und eröffneten das Fest.
Der Nachmittag bekam einen feierlichen Rahmen durch die gekonnte Darbietung des Kammerchores des Gymnasiums Ditzingen unter Leitung von David Prost. Die Lieder - in Text und Ausführung- vermittelten Hoffnung und Mut.
Die Rede des OB Herrn Makurath drückte Anerkennung und Wertschätzung für die Arbeit aller Mitglieder des AK Asyl in Ditzingen aus. Er bedankte sich für den wertvollen Einsatz der Ehrenamtlichen, die die Asylanten seit langem auf den verschiedensten Gebieten unterstützt haben.

Die Plakette „Aktiv in Ditzingen“ für ihr langjähriges Engagement beim Arbeitskreis Asyl Ditzingen e.V. wurden von Oberbürgermeister Herrn Makurath und Frau Wachter übergeben an:
Ibrahim Alhumede, Michael Jurisch, Herbert Kühn, Elfriede Metzger, Christina Rittmann, Sigrid Sauter-Haizmann, Reiner Schütz, Lis Werner.
Er ist der ältesten Sohnes der ersten Familie aus Syrien, die zu uns kam.
Mit der Familie verbindet uns mittlerweile eine langjährige Freundschaft. Aus dem Schulkind im Rollstuhl nach einer Verletzung im Krieg ist ein junger Mann in Ausbildung geworden.
Sein Bruder ist Mitglied des Jugendgemeinderates.
Hammann Aleissa, der als Flüchtling zu uns kam, ist mittlerweile integriert und hat nun seinen Dank und seine Verbundenheit mit seiner zweiten Heimat Deutschland und dem AK bekundete.
Er ist ein starkes Beispiel für eine gelungene Integration. Es ist wertvoll, wenn durch zwischenmenschliche Beziehungen gegenseitiges Vertrauen entstehen kann.
Hamam hielt bei der Feier zum 10-Jährigen eine Rede, die wir auszugsweise als Beispiel gelungener Integration wiedergeben möchten.
„Es ist für mich eine große Ehre, heute hier stehen zu dürfen – knapp 11 Jahre, nachdem ich als Geflüchteter aus Syrien nach Deutschland gekommen bin.
Damals war für mich alles neu: ein fremdes Land, eine neue Sprache, ein ganz anderes Leben. Doch es gab Menschen, die mich und viele andere von Anfang an begleitet haben – mit offenen Herzen, Geduld und großem Engagement. Diese Menschen sind Sie – die Stadt Ditzingen und der AK Asyl.
…
Als ich hierherkam, konnte ich kein Wort Deutsch. Ich habe in der Schule die Sprache gelernt, Schritt für Schritt. Ich habe meinen Hauptschulabschluss gemacht, danach die Mittlere Reife. Und heute besitze ich die doppelte Staatsbürgerschaft und mache eine Ausbildung zum Automobilkaufmann.
Darauf bin ich stolz – nicht, weil es leicht war, sondern weil es zeigt, dass wir Geflüchteten den Willen und den Ehrgeiz haben, uns einzubringen, zu lernen und Verantwortung zu übernehmen.
Wir wollen nicht nur Hilfe empfangen – wir wollen auch etwas zurückgeben.
Dieses Land hat uns Sicherheit, Bildung und Chancen geschenkt. Jetzt möchten wir dazu beitragen, dass es weiterhin stark und menschlich bleibt – gemeinsam, Seite an Seite, mit allen die hier leben.
Vor ca. acht Jahren durfte ich schon einmal eine Rede halten – damals war in meinem Heimatland Syrien noch Krieg und ich sprach mit Sorge über meine Heimat.
Heute kann ich sagen: Es ist endlich wieder Frieden in Syrien. Das erfüllt mich mit Dankbarkeit und Hoffnung – Hoffnung, dass Menschen überall auf der Welt wieder in Frieden leben können.
…
Ich möchte, dass Sie wissen: Wir werden immer bereit sein, dieses Land zu unterstützen – mit Herz, Arbeit und Verantwortung.
In Syrien werden immer unsere Wurzeln bleiben, doch Deutschland ist zu unserem Zuhause geworden. Wir gehören zu beiden Ländern und möchten beiden etwas Gutes zurückgeben.
Unsere Generation ist die Brücke zwischen zwei Kulturen – eine Generation, die für Frieden, Dankbarkeit und Zukunft steht.
Wir tragen in uns das Beste aus beiden Welten: den Mut und die Stärke unserer Heimat und die Werte, Chancen und Menschlichkeit, die uns Deutschland geschenkt hat.
Im Namen vieler Syrer und Syrerinnen, die Sie unterstützt haben, sage ich: Danke.
Danke für Ihre Menschlichkeit, Ihr Herz und Ihre unermüdliche Arbeit.
Möge der AK Asyl noch viele weitere Jahre Menschen Hoffnung schenken.
Dieser Nachmittag war ein wichtiges Zeichen für die Anerkennung der Arbeit des Arbeitskreises Asyl sowie dafür, die Arbeit mit dem gleichen Engagement weiterzuführen
Die Angebote des AK Asyl Ditzingen e.V. wie Lernbegleitung, Begleitung in Alltagsfragen, Sachspendenvermittlung, Hilfe bei der Arbeitssuche, Begegnungstreffen und kulturelle Veranstaltungen… mussten regelmäßig den stetigen Veränderungen angepasst werden. Wir erinnern uns gerne an die Theateraufführungen Geflüchteter zum Thema „Flucht und Ankommen“, an den Weihnachtsmarktstand „Gemeinsam sind wir stark“, das Bosch-Benefiz-Konzert und viele gemeinsame Treffen mit Bürgern und Geflüchteten.
Wir helfen beim Ankommen, aber übertriebene, unrealistische Forderungen lehnen wir ab. Wir appellieren an die Eigenverantwortung und sehen unsere Rolle in der Begleitung zum eigenständigen und eigenverantwortlichen Leben in unserer Stadt. Unsere Unterstützung ist an Verlässlichkeit, Eigeninitiative und Motivation gebunden.
Neben viel Licht erleben wir aber auch Schattenseiten:
Nach 10 Jahren scheinen die bürokratischen Auswüchse gefühlt ins Unermessliche gewachsen zu sein. Integrationskurse sind verpflichtend, kostspielig, aber weit entfernt von jeder Praxis. Die hohe Durchfallquote ist u.a. angesichts der Qualität der Angebote einfach zu erklären.
Auch wenn wir die Haltung einiger Geflüchteter bedingt nachvollziehen können, sehen wir unsere Rolle auch darin, Geflüchteten Grenzen und Voraussetzungen der Hilfe zu vermitteln.
Wir wünschen uns, dass unser Engagement nicht mehr nötig sein würde. Bis dahin versuchen wir als Ehrenamtliche in Abstimmung mit den Verantwortlichen besonders der Stadt Ditzingen menschlich und angemessen, aber durchaus aufklärend zu unterstützen.
Wir bedanken uns für die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit unseren Ansprechpartnern in der Stadt Ditzingen (städtische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Kirchengemeinden, Kleiderkammer, Tafel) sowie die Kooperation mit Landratsamt und Job-Center.
Viele Geflüchtete haben mit unserer Hilfe die deutsche Sprache gelernt, eine Arbeit gefunden und gehören inzwischen zu unserer Gesellschaft und Arbeitswelt (nicht nur als Pflegefachkräfte).
In dieser Zeit wurden aus Geflüchteten Nachbarn, Kollegen und Freunde.
Besonders Geflüchtete aus Syrien, Afghanistan und afrikanischen Ländern sind trotz Arbeit, Spracherwerb und Integration auf dem Wohnungsmarkt chancenlos. Daher hat der AK in 2024 bei der Wohnungssuche unterstützt und monatlich bis zu 100 Wohnungsbewerbungen für engagierte und motivierte Geflüchtete verschickt, leider vergeblich!
Seit 10 Jahren sind Platzangebot und Unterbringungskosten besonders für größere Familien in städtischen Unterkünften eine Herausforderung! Inzwischen deutlich weniger als 10 qm Wohnfläche pro Person sind eine große Herausforderung an die Geduld und Nachsicht der Menschen, die aus verschiedensten Ländern kommen, unterschiedlichste Sprachen, Religionen, Lebensweisen haben.
Leider sind nicht alle Geflüchteten bereit, sich in unsere Gesellschaft zu integrieren, nicht alle gehen verantwortungsvoll mit den durch die Stadt zu Verfügung gestellten Ressourcen um.
Wer diese Eigenmotivation und Verantwortung nicht zu leisten bereit ist, muss auf unsere Unterstützung verzichten.