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Wöchentliche Sprechstunde für Geflüchteten mit Fragen zum Alltag

Sprechstunde Gerlingerstraße1Seit Februar diesen Jahres hat der AK Asyl Ditzingen in seinem Büro in der Gerlingerstraße 35 montags in der Zeit von 16 bis 18 Uhr eine Sprechstunde für Geflüchtete eingerichtet.
Sowohl der gewählte Ort als auch der Zeitpunkt haben sich als äußerst vorteilhaft herausgestellt, denn unmittelbar davor ist dort die wöchentliche Sprechzeit der Sozialarbeiterin des Landratsamtes zu Ende, die für die Betreuung der Geflüchteten in den Ditzinger Gemeinschaftsunterkünften des Landkreises zuständig ist. Zur gleichen Zeit hat auch die Kleiderkammer geöffnet.
Entsprechend groß war die bisherige Inanspruchnahme durch Geflüchtete, denen der AK Asyl Ditzingen für alle ihre Fragen und Anliegen stets mit einem kompetenten Beratungsteam zur Verfügung steht.
Die angesprochenen Themen sind so vielfältig wie das Leben der Geflüchteten in der neuen Umgebung und ihre kleinen und größeren Nöte beim Ankommen in unserer Gesellschaft. Sie reichen von der Suche nach einem Kindergartenplatz, der Hilfe bei Behördengängen oder bei der Antragstellung auf benötigte Leistungen durch die verschiedenen Ämter, der Vermittlung von Sprachkursen, der Begleitung bei Arztterminen, vom Beistand beim Übergang der Zuständigkeit vom Landratsamt zum Jobcenter bis hin zur Beratung und Unterstützung auf dem oft schwierigen Weg zu einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz.
Das Beratungsteam des AK Asyl Ditzingen wird tatkräftig unterstützt durch Geflüchtete, die dem Beratungsteam mit wertvollen Dolmetscherdiensten zur Seite stehen, wenn die Sprachkenntnisse der Hilfesuchenden für eine Verständigung noch nicht ausreichen. Manche behördlichen Angelegenheiten können auch sofort zusammen mit Sozialarbeiterin des Landratsamtes besprochen und einer Lösung zugeführt werden. - wogae

Erstes Konversationstrefffen am 18.2.2017. Was bewegt unsere Geflüchteten?

Das erste Treffen der Gesprächsgruppe im Johanneshaus war gut besucht. Im Mittelpunkt der künftig regelmäßigen Treffen stand die praktische Anwendung der deutschen Sprache. Den Auftakt machte der Kurzfilm „Hase und Igel“, der im Berliner Goethe Institut entstand. Der Film zeigt auf unterhaltsame Weise die Konversationsgruppe.jpgProbleme von dreizehn Teilnehmern aus aller Welt beim Erlernen der deutschen Sprache. Anschließend kamen wir bei Vergleichen mit arabischen Fabeln bis hin zum Rätsel über die richtige Reihenfolge beim Transport von Wolf, Lamm und Salatkopf über den Fluss schnell zu einem wichtigen Thema, dass die Geflüchteten besonders umtreibt. Denn zum Ankommen in Deutschland gehöre eine Beschäftigung, auch wenn die Sprachkenntnisse noch lückenhaft seien. Arbeit sei schließlich die beste Motivation zum Erlernen der schweren Sprache.

Im Laufe einer lebhaften Diskussion entwickelten die ehrenamtlich engagierten Geflüchteten selbst interessante und hilfreiche Ideen. Dazu gehörte der Vorschlag, dass diejenigen mit bereits fortgeschrittenen Sprachkenntnissen den anderen sowohl bei der Alphabetisierung als auch bei der Begleitung der Sprachkurse zur Seite stehen könnten.

Zudem hoffen viele Geflüchtete auf einen Ausbildungsplatz oder brauchen bis zum Beginn einer bereits in Aussicht stehenden Ausbildung noch Unterstützung u.a. in Mathe oder weiteren naturwissenschaftlichen Fächern.

Die Geflüchteten setzen ihre Hoffnung auf Unternehmen, die ihnen Möglichkeiten zu einer sinnvollen Betätigung bieten. Dabei geht es ihnen nicht nur vorrangig um Geldverdienen, sondern Erlerntes aus den Integrationskursen anzuwenden und um Sicherheit im Sprachumgang zu bekommen. Ein weiterer Aspekt sei das Kennenlernen des Arbeitslebens in Deutschland.

Deshalb würde sich der AK Asyl Ditzingen sehr freuen, wenn sich interessierte Unternehmen unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! melden. Der AK bietet ihnen im Rahmen seiner Ressourcen ehrenamtliche Unterstützung bei bürokratischen oder verwaltungstechnischen Fragen an. - wogae

Jahreshauptversammlung am 13. 02. 2017 mit Stabwechsel im Vorstand

I.Hermens Dr.W.Gaehr

Bei der Jahreshauptversammlung des AK Asyl Ditzingen konnte die Vorsitzende Ingrid Hermens viele Mitglieder begrüßen. Darunter waren auch einige Neumitglieder und eine Reihe von Geflüchteten, die sich bereits im Arbeitskreis für ihre Leidensgenossen engagieren. Ein besonderer Gruß galt Herrn Bürgermeister Bahmer, der seinerseits die Grüße von Stadt und Gemeinderat übermittelte und dem Arbeitskreis für sein unermüdliches und selbstloses Engagement für die Integration der Flüchtlinge dankte.
Frau Hermens berichtete über die vielfältigen Aktivitäten im abgelaufenen Jahr und die bisherige Verwendung unserer Spendenmittel. Als einen besonderen Höhepunkt nannte sie das Konversationsfest im Dezember 2016 mit über 100 Teilnehmern. Flüchtlingsfamilien aus vielen Herkunftsländern bereiteten ein überwältigendes Buffet mit vielen orientalischen Spezialitäten, um gemeinsam mit ehrenamtlichen Begleitern für einige Stunden die Gedanken an die verlorene Heimat zu vergessen und mit Hilfe vieler herzlicher Begegnungen ein wenig mehr im neuen Zuhause anzukommen.
Anschließend erklärte Frau Hermens, dass sie sich künftig schwerpunktmäßig auf die unmittelbare Arbeit mit den Flüchtlingen konzentrieren möchte. Da Dr. Reiner Schütz als ihr bisheriger Stellvertreter aus beruflichen Gründen für dieses Amt nicht mehr zur Verfügung stehen kann, wolle sie nur noch für seine Nachfolge kandidieren.
Als ihren Nachfolger schlug sie Dr. Wolfgang Gaehr vor, der schon bisher im Leitungsgremium mitgearbeitet hatte. Einstimmig wählten die Mitglieder ihn zum neuen ersten Vorsitzenden und Ingrid Hermens zu seinem Stellvertreter.
Während sich einige Gruppensprecher aus familiären Gründen von ihrer Aufgabe zurückziehen müssen und mit einem herzlichen Dank und einem Buchgeschenk verabschiedet wurden, konnten sich ihre Nachfolger der Versammlung vorstellen.
Danach wurden noch die vom Leitungsgremium vorgeschlagenen Änderungen der Konzeption beraten und verabschiedet, die sich aufgrund zwischenzeitlicher Erfahrungen und Diskussionen als sinnvoll erwiesen hatten.
Der neu gewählte Vorstand bedankte sich bei den Mitgliedern für den großen Vertrauensbeweis. Er nimmt diesen zum An-sporn, sich auch in Zukunft für das Wohl der Flüchtlinge und für ein gutes Miteinander mit der einheimischen Bevölkerung einzusetzen im guten Einvernehmen mit der Stadt und allen dafür ehrenamtlich tätigen Gruppen.
Angesichts aktueller Veränderungen in der gesellschaftlichen und politischen Stimmungslage des Landes sei die partner-schaftliche Zusammenarbeit wichtiger als je zuvor. Die Willkommenseuphorie von 2015 drohe von Angst vor Überfremdung und Terror überschattet zu werden. Der Geschäftsführer von Pro Asyl habe es neulich mit diesen Worten auf den Punkt gebracht: „Deutschland entwickelt sich offensichtlich von einem Aufnahmeland zu einem Abschiebeland.“ Es bleibt also eine zunehmend wichtigere Aufgabe, gemeinsam für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und das Mitgefühl für die Not und das Leid der zu uns Geflüchteten einzutreten.
Zum Abschluss bedankte sich der Vorstand bei Firma Räuchle für die großzügige Blumenspende, die am Ende der Versammlung als Dankeschön den vielen ehrenamtlichen Helfer überreicht werden konnten. - wogae -

Porträt Doris Heß

DHessSie ist von der ersten Stunde und der allerersten Veranstaltung dabei, ist dem Aufruf von Oberbürgermeister Michael Makurath und den Dekanen der evangelischen und der katholischen Kirchengemeinde Alexander König und Friedrich Zimmermann damals im Oktober 2014 gefolgt, weil ihr das Thema Asyl so wichtig ist. Sie; Mutter zweier Töchter, habe das Glück gehabt, in Deutschland geboren zu sein, sagt sie und ist voll Mitgefühl für all jene Menschen, die nach Flucht und Vertreibung zu uns kommen und ihr Leben neu organisieren müssen. Doris Heß gehört zu jenen, die diesen Neuankömmlingen in Ditzingen zur Seite stehen möchten. Sie organisiert das Welcome Café, das alle vier Wochen im Treffpunkt Adler Ditzinger und Neu-Ditzinger, Einheimische und Asylsuchende zusammenbringt. Mit ihrem achtköpfigen Team sorgt sie nicht nur für Kaffee und Kuchen, sondern auch für gute Laune und eine Atmosphäre des Wohlfühlens. Sie hat ein feines Netz der Helfenden gesponnen, erzählt gerührt von jener älteren Ditzingerin, die regelmäßig Kuchen bäckt. Als diese kürzlich einmal keine Zeit zum Backen hatte, kaufte die freundliche Dame kurzerhand im Café nebenan einen leckeren Kuchen. Doris Heß, selbst leidenschaftliche Kuchenbäckerin, weiß diese zuverlässige Unterstützung zu schätzen.
Langeweile kennt die Schneiderin, die vor 35 Jahren aus Südbaden in die Stadt an der Glems gezogen ist, nicht. Sie engagiert sich nicht nur im Ak Asyl, sondern auch im Ditzinger Eine-Welt-Laden und im Repair-Café. Sie kann nicht nur köstliche Kuchen backen, sondern auch hervorragend nähen. Sie gibt Nähkurse in der Kernstadt, zeigt im Repair-Café Interessierten, wie man einen Reißverschluss in eine Hose oder einen Rock nähen kann und sie zaubert mit Nadel und Faden kleine Kunstwerke wie Babydecken oder Topflappen, die sie für den guten Zweck verkaufen möchte, um beispielsweise Frank Weber und dessen Straßenkinderhilfe e.V. in Brasilien und Bolivien zu unterstützen.
Der 67-jährigen Ditzingerin, die vor Energie sprüht, ist nichts zu viel. „Ich treffe doch überall nette Leute“, erklärt sie ihr Engagement. „Das Ehrenamt bringt mir selbst doch viel“, sagt sie voll Überzeugung. Und überlegt schon wieder, wie das Welcome Café im Monat Juni aussehen könnte.

(Für den Ak Asyl: Barbara Radtke)

Hausaufgabenbetreuung für Flüchtlingskinder

IMG 0130aAm Anfang stand eine GFS, eine „gleichwertige Feststellung von Schülerleistungen“, so der etwas sperrige Begriff für das selbstständige Erarbeiten eines Themas. . Juliane Krauskopf wollte sich mit dem Thema „Asyl in Ditzingen“ beschäftigen. Sie wandte sich in einem ersten Schritt daher an Ingrid Hermens vom Arbeitskreis Asyl und nahm zusammen mit ihrer Mitschülerin Alexandra eine Einladung ins Welcome Café an. Hier trafen die Mädchen sowohl auf Ehrenamtliche als auch auf Menschen, hinter denen Flucht und Vertreibung lagen und die versuchten, hier neu zu beginnen. Nach den ersten Begegnungen sprachen die heute Vierzehnjährigen ihre Schulfreundinnen Melissa Kleiner, Janina Oechsle und Sophie Roll an, die fortan mit von der Partie waren. Die Schülerinnen beschlossen, nicht nur Gespräche zu führen, sondern ganz konkret im AK aktiv zu werden. Sie entwickelten Bastelangebote für die Flüchtlingskinder und fanden immer mehr Gefallen an der ehrenamtlichen Arbeit.

Nach den Faschingsferien kam eine weitere Aufgabe hinzu: Das Team bietet seither im Gymnasium in der Glemsaue für Flüchtlingskinder von der Wilhelmschule und der Außenstelle der Theodor-Heuglin-Schule an der Konrad-Kocher-Schule einmal in der Woche eine Hausaufgabenbetreuung an. Mulham und die anderen Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen sieben und 13 Jahren schätzen das Angebot, kommen mit ihren Mathe- und Deutsch-Hausaufgaben oder üben mit den Mädchen, welche Bäume es denn so in Deutschland gibt. Auch das Spielen und Basteln kommt nicht zu kurz. Juliane und ihr Team sind da recht einfallsreich, attestiert diesen Pädagoge Herbert Kühn.

Die engagierten Jugendlichen freuen sich an diesem Mittwoch ebenso über Unterstützung wie Mulham und die anderen Kinder: Denn im Rahmen seines Sozialprojekts wird Mohammad Mortazavi künftig mit dabei sein. „Uns macht die Arbeit hier Spaß“, meint Juliane und Mohammad ergänzt: „Wir sammeln hier Erfahrung, mit Kindern umzugehen.“ Melissa nennt einen weiteren Aspekt und berichtet, dass die Jugendlichen über die Kinder einiges über andere Länder in Erfahrung bringen. Wir vom AK Asyl sind froh, dass wir Juliane, Meliissa, Mohammad und ihre Mitstreiterinnen kennenlernen durften, junge Menschen, die sich so vorurteilsfrei engagieren. Herzlichen Dank!