
Arbeitskreis Asyl Ditzingen e.V.


Ministerium für Soziales und Integration
des Landes Baden-Württemberg
Nach einer langen, corona-bedingten Pause ist das Dialogtheater Stuttgart wieder in Ditzingen zu Gast.
Mit „Flüchten und Ankommen“ sowie „Ankommen und dann?“ wurden in früheren Gastspielen die vielen Probleme und Hindernisse geflüchteter Menschen, aber auch die Arbeit der Asylkreise mit Theatermitteln aufgezeigt und zur Diskussion gestellt.
Inzwischen haben schon sehr viele Geflüchtete unsere Sprache gelernt, Wohnung, Ausbildung und Arbeit gefunden.
Wie soll es nun weitergehen? „Wir haben einen Traum“ - so lautet der Titel des neuen Stückes, zu dem der AK Asyl und der Kunst- und Kulturkreis unserer Stadt einladen.

In einer Zeit, in der viele Träume zerbrechen, erzählen Frauen und Männer aus dem Iran, der Ukraine, Afghanistan, Syrien, der Türkei und aus Deutschland Geschichten von Hoffnung, Verlust und Neubeginn.
In vier Szenen zeigen sie, wie Menschen um ihre Träume kämpfen, scheitern – und dennoch nicht aufgeben.
Am Ende entsteht etwas Neues: ein gemeinsamer Traum, der verbindet und Mut macht, den eigenen Weg weiterzugehen.
Ein bewegendes Stück über das, was uns alle eint: die Sehnsucht nach einem Leben in Freiheit, Würde und Liebe.
Die Theaterperformance „Wir haben einen Traum“ ist ein Teil des Projekts „0711 Spielraum interkulturell“ vom DialogTheater e.V. aus Stuttgart. Es wird von „Stuttgart Mittendrin“ gefördert.
Es war ein besonderer Nachmittag am Samstag, 8.11.2025. Der Arbeitskreis Asyl in Ditzingen konnte sein 10jähriges Bestehen feiern.
Im Gemeindesaal der katholischen Kirche St. Maria fanden sich viele Gäste ein, die Spezialitäten aus ihren Heimatländern auftischten. Es gab süße und salzige Leckereien aus Syrien, Afghanistan, Vietnam, Gambia… die mit viel Liebe zubereitet waren. Dazu konnten sich die Gäste mit Kaffee, Tee und Kaltgetränken versorgen.
Die 1. Vorsitzende Ingrid Hermens und der 2. Vorsitzende Herbert Kühn begrüßten die Gäste und eröffneten das Fest.
Der Nachmittag bekam einen feierlichen Rahmen durch die gekonnte Darbietung des Kammerchores des Gymnasiums Ditzingen unter Leitung von David Prost. Die Lieder - in Text und Ausführung- vermittelten Hoffnung und Mut.
Die Rede des OB Herrn Makurath drückte Anerkennung und Wertschätzung für die Arbeit aller Mitglieder des AK Asyl in Ditzingen aus. Er bedankte sich für den wertvollen Einsatz der Ehrenamtlichen, die die Asylanten seit langem auf den verschiedensten Gebieten unterstützt haben.

Die Plakette „Aktiv in Ditzingen“ für ihr langjähriges Engagement beim Arbeitskreis Asyl Ditzingen e.V. wurden von Oberbürgermeister Herrn Makurath und Frau Wachter übergeben an:
Ibrahim Alhumede, Michael Jurisch, Herbert Kühn, Elfriede Metzger, Christina Rittmann, Sigrid Sauter-Haizmann, Reiner Schütz, Lis Werner.
Er ist der ältesten Sohnes der ersten Familie aus Syrien, die zu uns kam.
Mit der Familie verbindet uns mittlerweile eine langjährige Freundschaft. Aus dem Schulkind im Rollstuhl nach einer Verletzung im Krieg ist ein junger Mann in Ausbildung geworden.
Sein Bruder ist Mitglied des Jugendgemeinderates.
Hammann Aleissa, der als Flüchtling zu uns kam, ist mittlerweile integriert und hat nun seinen Dank und seine Verbundenheit mit seiner zweiten Heimat Deutschland und dem AK bekundete.
Er ist ein starkes Beispiel für eine gelungene Integration. Es ist wertvoll, wenn durch zwischenmenschliche Beziehungen gegenseitiges Vertrauen entstehen kann.
Hamam hielt bei der Feier zum 10-Jährigen eine Rede, die wir auszugsweise als Beispiel gelungener Integration wiedergeben möchten.
„Es ist für mich eine große Ehre, heute hier stehen zu dürfen – knapp 11 Jahre, nachdem ich als Geflüchteter aus Syrien nach Deutschland gekommen bin.
Damals war für mich alles neu: ein fremdes Land, eine neue Sprache, ein ganz anderes Leben. Doch es gab Menschen, die mich und viele andere von Anfang an begleitet haben – mit offenen Herzen, Geduld und großem Engagement. Diese Menschen sind Sie – die Stadt Ditzingen und der AK Asyl.
…
Als ich hierherkam, konnte ich kein Wort Deutsch. Ich habe in der Schule die Sprache gelernt, Schritt für Schritt. Ich habe meinen Hauptschulabschluss gemacht, danach die Mittlere Reife. Und heute besitze ich die doppelte Staatsbürgerschaft und mache eine Ausbildung zum Automobilkaufmann.
Darauf bin ich stolz – nicht, weil es leicht war, sondern weil es zeigt, dass wir Geflüchteten den Willen und den Ehrgeiz haben, uns einzubringen, zu lernen und Verantwortung zu übernehmen.
Wir wollen nicht nur Hilfe empfangen – wir wollen auch etwas zurückgeben.
Dieses Land hat uns Sicherheit, Bildung und Chancen geschenkt. Jetzt möchten wir dazu beitragen, dass es weiterhin stark und menschlich bleibt – gemeinsam, Seite an Seite, mit allen die hier leben.
Vor ca. acht Jahren durfte ich schon einmal eine Rede halten – damals war in meinem Heimatland Syrien noch Krieg und ich sprach mit Sorge über meine Heimat.
Heute kann ich sagen: Es ist endlich wieder Frieden in Syrien. Das erfüllt mich mit Dankbarkeit und Hoffnung – Hoffnung, dass Menschen überall auf der Welt wieder in Frieden leben können.
…
Ich möchte, dass Sie wissen: Wir werden immer bereit sein, dieses Land zu unterstützen – mit Herz, Arbeit und Verantwortung.
In Syrien werden immer unsere Wurzeln bleiben, doch Deutschland ist zu unserem Zuhause geworden. Wir gehören zu beiden Ländern und möchten beiden etwas Gutes zurückgeben.
Unsere Generation ist die Brücke zwischen zwei Kulturen – eine Generation, die für Frieden, Dankbarkeit und Zukunft steht.
Wir tragen in uns das Beste aus beiden Welten: den Mut und die Stärke unserer Heimat und die Werte, Chancen und Menschlichkeit, die uns Deutschland geschenkt hat.
Im Namen vieler Syrer und Syrerinnen, die Sie unterstützt haben, sage ich: Danke.
Danke für Ihre Menschlichkeit, Ihr Herz und Ihre unermüdliche Arbeit.
Möge der AK Asyl noch viele weitere Jahre Menschen Hoffnung schenken.
Dieser Nachmittag war ein wichtiges Zeichen für die Anerkennung der Arbeit des Arbeitskreises Asyl sowie dafür, die Arbeit mit dem gleichen Engagement weiterzuführen
Die Angebote des AK Asyl Ditzingen e.V. wie Lernbegleitung, Begleitung in Alltagsfragen, Sachspendenvermittlung, Hilfe bei der Arbeitssuche, Begegnungstreffen und kulturelle Veranstaltungen… mussten regelmäßig den stetigen Veränderungen angepasst werden. Wir erinnern uns gerne an die Theateraufführungen Geflüchteter zum Thema „Flucht und Ankommen“, an den Weihnachtsmarktstand „Gemeinsam sind wir stark“, das Bosch-Benefiz-Konzert und viele gemeinsame Treffen mit Bürgern und Geflüchteten.
Wir helfen beim Ankommen, aber übertriebene, unrealistische Forderungen lehnen wir ab. Wir appellieren an die Eigenverantwortung und sehen unsere Rolle in der Begleitung zum eigenständigen und eigenverantwortlichen Leben in unserer Stadt. Unsere Unterstützung ist an Verlässlichkeit, Eigeninitiative und Motivation gebunden.
Neben viel Licht erleben wir aber auch Schattenseiten:
Nach 10 Jahren scheinen die bürokratischen Auswüchse gefühlt ins Unermessliche gewachsen zu sein. Integrationskurse sind verpflichtend, kostspielig, aber weit entfernt von jeder Praxis. Die hohe Durchfallquote ist u.a. angesichts der Qualität der Angebote einfach zu erklären.
Auch wenn wir die Haltung einiger Geflüchteter bedingt nachvollziehen können, sehen wir unsere Rolle auch darin, Geflüchteten Grenzen und Voraussetzungen der Hilfe zu vermitteln.
Wir wünschen uns, dass unser Engagement nicht mehr nötig sein würde. Bis dahin versuchen wir als Ehrenamtliche in Abstimmung mit den Verantwortlichen besonders der Stadt Ditzingen menschlich und angemessen, aber durchaus aufklärend zu unterstützen.
Wir bedanken uns für die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit unseren Ansprechpartnern in der Stadt Ditzingen (städtische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Kirchengemeinden, Kleiderkammer, Tafel) sowie die Kooperation mit Landratsamt und Job-Center.
Viele Geflüchtete haben mit unserer Hilfe die deutsche Sprache gelernt, eine Arbeit gefunden und gehören inzwischen zu unserer Gesellschaft und Arbeitswelt (nicht nur als Pflegefachkräfte).
In dieser Zeit wurden aus Geflüchteten Nachbarn, Kollegen und Freunde.
Besonders Geflüchtete aus Syrien, Afghanistan und afrikanischen Ländern sind trotz Arbeit, Spracherwerb und Integration auf dem Wohnungsmarkt chancenlos. Daher hat der AK in 2024 bei der Wohnungssuche unterstützt und monatlich bis zu 100 Wohnungsbewerbungen für engagierte und motivierte Geflüchtete verschickt, leider vergeblich!
Seit 10 Jahren sind Platzangebot und Unterbringungskosten besonders für größere Familien in städtischen Unterkünften eine Herausforderung! Inzwischen deutlich weniger als 10 qm Wohnfläche pro Person sind eine große Herausforderung an die Geduld und Nachsicht der Menschen, die aus verschiedensten Ländern kommen, unterschiedlichste Sprachen, Religionen, Lebensweisen haben.
Leider sind nicht alle Geflüchteten bereit, sich in unsere Gesellschaft zu integrieren, nicht alle gehen verantwortungsvoll mit den durch die Stadt zu Verfügung gestellten Ressourcen um.
Wer diese Eigenmotivation und Verantwortung nicht zu leisten bereit ist, muss auf unsere Unterstützung verzichten.